AMD hat in einem neuen Whitepaper zahlreiche technische Details zu den kommenden EPYC-9006-Prozessoren mit dem Codenamen „Venice“ veröffentlicht. Für Server sind dabei vor allem die neuen Plattformfunktionen spannend – für uns ist aber interessant, dass Venice bereits auf Zen 6 und Zen 6c basiert. Damit bekommen wir einen deutlich besseren Eindruck davon, was AMD mit der nächsten CPU-Generation technisch vorhat.
Inhaltsverzeichnis
Zen 6 und Zen 6c: Bis zu 256 Kerne bei EPYC
AMD unterscheidet weiterhin zwischen den klassischen Zen-Kernen und der kompakteren Zen-c-Variante. Bei EPYC 9006 kommen entsprechend Zen 6 „Morpheus“ und Zen 6c „Monarch“ zum Einsatz.
Je nach Plattform sind mit Venice bis zu 96 Zen-6-Kerne beziehungsweise 256 Zen-6c-Kerne möglich. Die Compute-Chiplets werden dabei weiterhin von separaten I/O-Dies ergänzt – ein Aufbau, den AMD schon seit mehreren Generationen nutzt, mit Zen 6 aber weiter ausbaut.
Für Zen 6 nennt AMD außerdem ein IPC-Plus von 10 bis 15 %, dazu kommen Optimierungen beim SMT sowie neue AVX-512-Erweiterungen.
PCIe 6.0 wird mit Venice Realität
Eine der größten Neuerungen der Plattform ist PCIe 6.0. EPYC 9006 unterstützt je nach Sockel bis zu 128 PCIe-6.0-Lanes pro Prozessor. PCIe 6.0 verdoppelt die theoretische Bandbreite gegenüber PCIe 5.0 erneut und ist vor allem für schnelle Beschleuniger, Netzwerkadapter und Storage-Lösungen im Rechenzentrum interessant.
Zusätzlich unterstützt Venice CXL 3.1. Darüber lassen sich beispielsweise externe Speichererweiterungen direkt über PCIe anbinden. AMD nennt das unter anderem als Möglichkeit, zusätzlichen Speicher bereitzustellen, ohne ausschließlich auf lokal verbaute DRAM-Module angewiesen zu sein.
Für kommende Ryzen-Prozessoren bedeutet das allerdings noch nicht automatisch PCIe 6.0. Die neuen I/O-Funktionen sitzen im Server-I/O-Die und gehören damit zu den Bereichen, die nicht direkt von EPYC auf Ryzen übertragen werden können. Bestehende AM5-Mainboards sind weiterhin auf PCIe 5.0 ausgelegt.
DDR5-12800 und deutlich mehr Speicherbandbreite
Auch beim Arbeitsspeicher legt Venice deutlich zu. Unterstützt werden klassische DDR5-RDIMMs mit bis zu 8.000 MT/s sowie MRDIMMs mit bis zu 12.800 MT/s. Auf der großen SP7-Plattform stehen bis zu 16 Speicherkanäle zur Verfügung. Damit erreicht AMD laut Whitepaper eine Speicherbandbreite von bis zu 1,6 TB/s pro Sockel.
Zum Vergleich: EPYC 9005 kam mit DDR5-6400 und zwölf Speicherkanälen auf rund 614 GB/s. AMD spricht damit von einer deutlich höheren Speicherbandbreite – vor allem Workloads, die stark vom RAM-Durchsatz abhängig sind, können davon profitieren.
Interessant ist außerdem, dass AMD im Whitepaper bereits DDR6 erwähnt. Venice selbst bleibt aber bei DDR5. Auch die kommende Ryzen-Generation „Olympic Ridge“ soll weiterhin DDR5 auf AM5 nutzen. DDR6 ist damit eher ein Hinweis darauf, wohin AMD seine I/O-Dies langfristig entwickelt.
Infinity Fabric soll über den einzelnen Server hinausgehen
Noch spannender für die Zukunft ist Infinity Fabric over Ethernet. Infinity Fabric verbindet bei AMD bisher unter anderem CPU-Chiplets, Speicher und I/O miteinander. Mit IFoE soll dieses Prinzip künftig über den einzelnen Server hinaus auf ganze Racks beziehungsweise Pods ausgeweitet werden.
AMD beschreibt dabei drei Ebenen: Infinity Fabric verbindet Komponenten innerhalb des Systems, xGMI koppelt CPUs und Beschleuniger miteinander und Infinity Fabric over Ethernet soll diese Verbindung schließlich auf die Netzwerk-Infrastruktur erweitern.
Für Gaming-PCs spielt das zunächst keine Rolle. Es zeigt aber, wie stark AMD Zen 6 auch für große KI- und HPC-Systeme auslegt.
Was davon kommt bei Ryzen Zen 6 an?
Für Desktop-Nutzer ist vor allem das interessant, was direkt im Compute-Chiplet steckt. Dazu gehören laut aktuellen Informationen:
- Zen-6-Kerne mit einem IPC-Plus von 10 bis 15 %
- neue AVX-512-Erweiterungen
- Optimierungen beim SMT
- möglicherweise bis zu 12 Kerne und 48 MB L3-Cache pro CCD
Gerade der letzte Punkt könnte für Ryzen interessant werden. Aktuelle Ryzen-9000-Prozessoren bieten maximal acht Kerne pro CCD. Sollte AMD bei „Olympic Ridge“ dieselben 12-Kern-CCDs einsetzen, wären mit zwei Chiplets theoretisch Ryzen-CPUs mit bis zu 24 Kernen möglich. Bestätigt ist eine solche Desktop-Konfiguration allerdings noch nicht.
AM5 und DDR5 bleiben bei der nächsten Ryzen-Generation
Zen 6 kommt auch auf AM5. AMD führt die kommenden Desktop-Prozessoren „Olympic Ridge“ bereits für den bestehenden Sockel. Auch DDR5 bleibt erhalten.
Ein Plattformwechsel soll nicht vor 2029 passieren. Ob jedes bestehende AM5-Mainboard die neuen CPUs unterstützen wird, hängt allerdings vom jeweiligen BIOS-Support des Herstellers ab.
Ausblick auf Zen 7: DDR6 könnte der nächste große Schritt werden
Die neuen Informationen geben auch schon einen kleinen Ausblick über Zen 6 hinaus. Während Venice und die kommende Ryzen-Generation weiterhin auf DDR5 setzen, dürfte DDR6 erst mit einer späteren Plattformgeneration relevant werden. Auf AMDs Server-Roadmap folgt auf Venice die Zen-7-Generation mit dem Codenamen „Florence“. Konkrete Speicher-Spezifikationen hat AMD dafür noch nicht vollständig bestätigt, die aktuellen Hinweise deuten aber darauf hin, dass der Wechsel auf DDR6 eher in diesem Zeitraum zu erwarten ist. Für Ryzen bedeutet das: Zen 6 bleibt sehr wahrscheinlich noch klar im bestehenden AM5- und DDR5-Ökosystem, während größere Plattformänderungen erst mit Zen 7 interessanter werden könnten.
Das neue Whitepaper zeigt, dass Zen 6 nicht nur bei der reinen CPU-Leistung nachlegt, sondern AMD gleichzeitig schon die Grundlage für die nächsten Plattformschritte mit mehr Kernen, mehr Bandbreite und künftig wohl auch DDR6 vorbereitet.
Was hältst du von den neuen Zen-6-Details? Sind für dich mehr Kerne und höhere Speicherbandbreite spannend oder wartest du vor allem auf den nächsten großen Plattformwechsel? Schreib es uns in die Kommentare!


